Herd(s)Attacke

Weihnachts-Leckerei: Baumkuchen-Rudi

Baumkuchen-Lollies im "Rudi Rednose"-Stil

Auch beim Herd(s)Kasper wird’s jetzt höchste Plätzchenzeit. Gleich zu Beginn der Weihnachtsbacksaison habe ich mir das schwerste Projekt vorgenommen; dann ist der Rest umso entspannter. Der „Baumkuchen-Rudi“ ist in einer ausgedehnten sonntäglichen Backaktion entstanden und vorab eine Warnung: die Dinger brauchen ihre Zeit. Denn das Innenleben besteht aus luftig-saftigem Baumkuchen, der ja bekanntlich Schicht für Schicht gebacken wird. Erfahrung damit konnte ich schon ein paarmal beim Baumkuchen-Konfekt sammeln. Rechnet man noch das Glasieren, Trocknen und Dekorieren dazu, kann schon ein ganzer Nachmittag ins Land ziehen. Aber es lohnt sich, denn die Baumkuchen-Rudis sind absolut köstlich!

Von der Tanne zum Rudi

Eigentlich hatte ich die Kuchen-Lollies ja als Weihnachtsbaum geplant; von der Form hätten sie es, mit etwas Schnitzerei, hergegeben. Dagegen sprach dann zum einen, dass man doch relativ viel Kuchen hätte wegschneiden müssen. Zweitens: die Farbe. Es gibt zwar grünen Fondant, aber ich finde das Zuckerzeug einfach nur eklig und im Verhältnis zum Baumkuchen wäre es relativ viel gewesen. Weiße Schokolade grün einfärben fand ich auch nicht so prickelnd. Also musste etwas her, das der natürlichen Schokoladenfarbpalette entgegen kommt. Und weil dunkle, etwas herbe Schokolade zum Baumkucheninnenleben einfach hervorragend passt, habe ich mich dann für das rotnasige, dunkelbraune Rentier entschieden.

Die Form für die Kuchen-Lollies schlummert schon eine ganze Weile in einer meiner Schubladen, ohne dass ich sie eingeweiht hätte. Manchmal kauft man ja so Kram und dann liegt er herum. Stiele waren auch dabei, also ging es erstmal um das Innenleben. Da ich ein absoluter Baumkuchen-Fan bin und schon ein erprobtes Rezept für den Teig zur Verfügung stand, musste es einfach dieser sein. Ich meine: schon die Vorstellung von knackiger Schokolade, unter der sich wattiger, aromatischer Kuchen versteckt, ist doch schon unwiderstehlich, oder? Natürlich lassen sich die Baumkuchen-Rudis auch mit jedem anderen, Biskuit-ähnlichen Teig herstellen – mit Sicherheit sogar einfacher und schneller. Aber an besagtem Sonntag war ich wohl irgendwie ein bisschen maso unterwegs.

Baumkuchen-Lollies, als Rudi Rednose "verkleidet"
Rudis Einzelteile

Für die Nase mussten rote Schoko-Linsen herhalten; die Zuckeraugen gab’s im örtlichen Lebensmittelhandel. Dort habe ich auch die Zuckerschrift für den Mund erworben – leider hat sich herausgestellt, dass das Produkt der absolute Schrott war. Trotz Aufwärmen und intensivem Durchkneten der Tube kam bei der weißen Farbe nur eine bröckelige Masse heraus. Die rote war total dünnflüssig, durchsichtig und von vorne herein nicht zu gebrauchen. Hat mich natürlich ziemlich geärgert; vor allem, weil ich so kurzfristig keinen Ersatz beschaffen konnte. Deshalb kommt das Lächeln der Rudi-Lollies ein bisschen schräg rüber oder ist ihm gleich ganz aus dem Gesicht gefallen. Wieder was gelernt: erst die Schrift testen und ggf. Ersatz besorgen.

Blieb nur noch das Geweih und darüber hatte ich mir glücklicherweise schon im Vorfeld den Kopf zerbrochen. Wer im Internet nach „Ausstechform Geweih“ sucht, bekommt ja alles mögliche angezeigt – nur kein Geweih. Unter „Ausstechform Rudi“ findet sich da schon etwas mehr und so hab‘ ich mir zwei Versionen zum Testen bestellt. Die erste, eine Metallform, war leider viel zu klein. Zum Glück passte die zweite absolut perfekt und kam noch dazu von einem bekannten Hersteller aus dem Odenwald, ganz um die Ecke. Nach dem Motto „Support your local dealer“. Mit der Form stellt man einen kompletten Rudi-Kopf her; den ausgestochenen Teig habe ich dann kurzerhand amputiert und lediglich das Geweih verwendet.

Herausgekommen ist bei der sonntäglichen Backaktion sicher nicht der schönste aller Kuchen-Lollies – ich hab’s halt mit dem Dekorieren nicht so. Geschmacklich ist der Baumkuchen-Rudi aber der Knaller und genau so geworden, wie ich ihn mir vorgestellt habe: außen eine knackige Schoko-Hülle, innen saftig-süßer Baumkuchen. Mit Sicherheit wird es hier ein Update geben, bei dem ich mich etwas mehr mit dem Äußeren der Lollie-Kuchen auseinandersetzen werde. Und für alle, die sich an den Nachbau wagen wollen, folgen jetzt noch meine „Lessons Learned“.

Baumkuchen-Lollies machen sich auch hervorragend als Geschenk!
Herd(s)Kaspers Tipps und Tricks
  • Ganz wichtig: Macht euch unbedingt vorher Gedanken, wie ihr die Lollies abtropfen lassen wollt und testet es! Ich hatte mir gedacht, die Rudis einfach in Kuchengitter zu klemmen – was dann aber nicht funktioniert hat. Letztendlich habe ich mit den Stilen Löcher in eine Styroporplatte gebohrt und die Lollies nach dem Glasieren dort hinein gesteckt. Hat funktioniert, war aber nicht ganz optimal, weshalb ich mir darüber auch nochmal Gedanken machen werde.
  • Wenn ihr mit Zuckerschrift arbeitet: probiert sie vorher aus! Ich hab‘ mit meinem Produkt leider den totalen Fehlgriff getan, was nach all‘ der Arbeit total ärgerlich war.
  • Die Herstellung braucht ihre Zeit – Baumkuchen-Lollies sind nichts für mal so zwischendrin. Plant das entsprechend; ggf. auf zwei Tage verteilt: am ersten Tag backen, am zweiten verzieren.

Baumkuchen-Lollies

Das Innenlieben der Lollies besteht aus saftigem Baumkuchen, der schichtweise gebacken wird.
Vorbereitungszeit45 Min.
Koch-/Backdauer3 Stdn.
Verzieren1 Std. 30 Min.
Gericht: Kuchen, Weihnachtsbäckerei
Keyword: Baumkuchen
Portionen: 16 Stück

Zutaten

Dunkler Plätzchenteig (für das Geweih)

  • 160 g Weizenmehl, Type 405
  • 25 g Backkakao
  • 50 g Puderzucker, gesiebt
  • 1 Prise Salz
  • 90 g Butter, kalt
  • 1 Stück Ei (M)

Für den Baumkuchenteig

  • 300 g Butter
  • 130 ml Orangensaft
  • 40 ml Orangenlikör (alternativ Orangensaft)
  • 100 g Rohrohrzucker
  • 100 g Marzipanrohmasse
  • 5+2 Stück Eier (M)
  • 1 Spritzer Zitronen- oder Limettensaft
  • 1 Prise Salz
  • 250 g Weizenmehl, Type 405
  • 50 g Speisestärke, gesiebt
  • 1 EL Vanilleextrakt oder -paste

Für die Verzierung

  • 200 g Schokolade, dunkel
  • 16 Stück Schokolinsen, rot
  • 1 Packung Zuckeraugen
  • Zuckerschrift, weiß (für den Mund)

Sonstiges

  • 1 Glas helles Gelee, z.B. Quitte (zum Zusammenkleben der Kuchenhälften)
  • Butter und Weichweizengrieß (zum Einfetten der Backform)

Sonstiges

  • Eine Kuchen-Lolli-Backform
  • Kuchen-Lolli-Stiele (16 Stück)
  • Eine Ausstechform für das Geweih; alternativ eine Form auf Karton zeichnen und ausschneiden.
  • Eine Reibe für den Marzipan
  • Eine Metallschüssel für das Wasserbad (zum Schokolade schmelzen)
  • Eine Abtropfvorrichtung für die Lollies (z.B. Styroporplatte, in die Löcher gebohrt werden)
  • Eine Pinzette (für das Anbringen der Augen)

Anleitungen

Dunkler Plätzchenteig (für das Geweih)

  • Mehl, Kakao, Puderzucker und Salz in eine ausreichend große Schüssel geben.
    Die kalte Butter in kleinen Stückchen dazu geben.
    Das Ei in einem Schälchen aufschlagen, verquirlen und ebenfalls in die Schüssel geben.
  • Alle Zutaten zügig miteinander verkneten (geht am besten mit den Händen).
    Der Teig muss nicht 100% gleichmäßig sein, die Zutaten sollten sich aber gut verbunden haben.
    Teig zu einer Kugel formen, diese etwas flachdrücken und in Frischhaltefolie oder Wachstuch einschlagen.
    Teig für eine Stunde in den Kühlschrank legen.
  • Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
    Bein Backblech mit Backpapier auslegen.
  • Den gut gekühlten Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen (ggf. Frischhaltefolie obenauf legen, damit er sich besser rollen lässt).
    16 Geweihe ausstechen (alternativ eine gezeichnete Schablone aus Karton auf den Teig legen und das Geweih ausschneiden).
    Geweih in der Mitte halbieren, die Teile auf das vorbereitete Backblech legen und die Schnittenden ganz flach drücken (diese werden später in den Lolli gesteckt und sollten so dünn wie möglich sein).
  • Die Geweihe 7-8 Minuten backen; auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
  • Der übrig gebliebene Teig kann natürlich gleich mit verbacken werden!

Die Baumkuchen-Lollies

  • Backofen auf 220°C Umluft-Oberhitze vorheizen. Zur Backtemperatur und -einstellung bitte unbedingt die Notizen am Ende des Rezeptes beachten!
    Die Mulden der Lolli-Backform dünn mit etwas Butter einfetten und mit etwas Weichweizengrieß ausstreuen.
  • Die Butter in einen kleinen Topf geben und bei niedriger Temperatur schmelzen.
    Orangensaft und -likör dazu geben, Temperatur etwas erhöhen (mittlere Stufe).
    Den Zucker dazu geben und rühren, bis er sich aufgelöst hat.
    Marzipan mit einer groben Reibe in die Flüssigkeit reiben und unterrühren, bis eine gleichmäßige, cremige Masse entstanden ist.
    Topf vom Herd nehmen; die Creme etwas abkühlen lassen.
  • In der Zwischenzeit 5 Eier trennen.
    Das Eiweiß in eine Rührschüssel geben, mit einer Prise Salz und etwas Zitronen- oder Limettensaft steif schlagen. Bis zur Verwendung kühl stellen.
  • Mehl und Speisestärke in eine Rührschüssel geben.
    Die abgekühlte Marzipanmasse darüber geben und mit dem Schneebesen der Küchenmaschine unterrühren.
    Nach und nach die Eigelbe sowie die übrigen zwei kompletten Eier unterrühren. Teig auf hoher Stufe kurz schaumig schlagen.
    Das steif geschlagene Eiweiß auf den Teig geben und vorsichtig unterziehen.
  • Für die erste Schicht einen knappen EL Teig in die Mulden der vorbereiteten Backform geben, etwas glatt streichen.
    Die Backform in das obere Drittel des Backofens schieben (bitte Notiz am Ende des Rezeptes beachten!) und 3-4 Minuten backen, bis der Teig ein wenig Farbe bekommt (Backzeit kann je nach Herdart etwas variieren).
    Auf die erste Teigschicht eine zweite, dünne Schicht (jetzt nur noch 1 TL Teig) aufstreichen, Backblech wieder in den Backofen schieben und die Schicht 3-4 Minuten backen.
    So weiter verfahren, bis keine Schicht mehr in die Mulden passt.
    Die fertigen Lolli-Hälften vorsichtig auf ein Kuchengitter stürzen.
  • Backform auswischen, neu buttern und ausstreuen und die nächsten Lolli-Hälften wie oben beschrieben backen.
    So verfahren, bis der Teig komplett aufgebraucht ist.
  • Während die nächste Runde Lollies backt, kann man die möglichst noch lauwarmen, fertigen Lolli-Hälften schon einmal zusammenkleben.
    Dafür die Innenfläche von zwei Lolli-Hälften dünn mit Gelee einstreichen, einen Lolli-Stiel auf eine Hälfte legen und die zweite Hälfte mit der Geleeseite darauf legen. Leicht andrücken und beiseite stellen.
    Die Baumkuchen-Hälften mit einer dünnen Schicht Gelee bestreichen.

Das Verzieren

  • Vor dem Verzieren kann man an den Baumkuchen-Lollies noch etwas "Feinschliff" betreiben, indem man überstehende Kanten entfernt und die Seiten etwas begradigt. Das geht ganz hervorragend mit einem Brotschneidegerät oder einem guten Messer mit Wellenschliff.
  • Für die Lolli-Glasur die Schokolade grob hacken und im Wasserbad schmelzen lassen.
    Die Lollies entweder kopfüber hinein tauchen (wenn die Schüssel groß genug ist), oder die Schokolade mit einem Löffel über die Lollies gießen.
    Lollies gut abtropfen lassen, in die vorbereitete Abtropfhalterung stecken und die Glasur etwas fest werden lassen.
  • Solange die Glasur noch nicht ganz fest ist, die Geweihhälften mit den flachen Enden in Schokolade tauchen und links und rechts am "Kopf" vorsichtig zwischen die Kuchenhälften stecken (nicht zu fest und zu tief, damit die Hälften nicht wieder auseinander brechen!).
    Die rote Schoko-Linse in die Glasur drücken (Nase), die Zuckeraugen mit einer Pinzette anbringen.
    Die Lollies kalt stellen und aushärten lassen.
  • Alternativ: erst eine Seite der Lollies glasieren, diese mit der nicht glasierten Seite nach unten auf ein Kuchengitter legen und im Kühlschrank fest werden lassen. Dann die andere Seite glasieren. Achtung: bei dieser Methode kann es passieren, dass die Lollies etwas am Kuchengitter festkleben, d.h. man muss sie sehr vorsichtig wieder vom Gitter lösen, damit die Lollies nicht auseinander brechen.
    Die zweite Hälfte wie im vorherigen Schritt beschrieben verzieren.
  • Ganz zum Schluss noch den Mund mit Zuckerschrift o.ä. aufmalen.
    Die Lollies in einem luftdichten Behälter aufbewahren; sie halten gut zwei Wochen.

Notizen

Beim Ofen mit Umluft-Oberhitze (220°C) wird der Baumkuchen im oberen Bereich des Backofens gebacken.
Bei Ober-/Unterhitze (230°C) gibt man den Kuchen mittig in den Backofen; die Backzeit der einzelnen Schichten kann sich ggf. ein wenig verlängern, es sei denn man schaltet den Grill hinzu.
In jedem Fall bei den ersten Schichten beim Backofen bleiben und kontrollieren!

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