Herd(s)Attacke

„Schee dick Supp“: Grünkernsuppe

Grünkernsuppe

Wie letzte Woche im Beitrag für die Markklößchen angekündigt, kommt hier jetzt das Rezept für die Suppe, die ich am liebsten dazu esse: Grünkernsuppe. Sie ist das, was man bei uns in Hessen als „schee dick Supp“ bezeichnet: eine deftige, gehaltvolle, sämige Suppe. Dafür sorgt der namensgebende Grünkern. Dabei handelt es sich um nichts anderes als Dinkelkörner, die geerntet werden, ehe sie reif sind. Nach dem Dörren sind sich die Körner lange haltbar und wurden schon im 17. Jahrhundert als Suppeneinlage verwendet. Leider ist Grünkern ein wenig in Vergessenheit geraten – zu Unrecht. Denn das Korn enthält eine Menge Vitamine und vor allem Mineralstoffe. Zudem ist es ein regionales Produkt und somit vielen so genannten „Superfoods“, die teilweise rund um die Welt zu uns gekarrt werden, in jedem Fall vorzuziehen.

Von der Suppe zum Brei

Ich muss zugeben, dass mir die Grünkernsuppe anfangs ein-zweimal daneben gegangen ist. Man muss echt aufpassen, dass aus der sämigen Brühe kein pampiger Brei wird. Das gemahlene Korn nimmt eine Unmenge Wasser auf; deshalb sollte es unbedingt über Nacht quellen. Ein weiterer Anteil an Grünkern wird frisch gemahlen hinzugefügt und kurz angeröstet. Das Mischungsverhältnis ist hier wichtig, sonst passiert eben das: man hat einen schlabberigen Brei anstelle von sämiger Suppe. Bestenfalls hat man noch ein wenig Gemüsebrühe oder Sahne, mit der sie sich verdünnen lässt – aber in den wahren Genuss kommt man nicht mehr.

Es ist übrigens reine Geschmacksache, ob man die ganze Suppe püriert oder nur einen Teil. Ich persönlich liebe die kleinen Kartoffelstückchen und den knackigen Grünkern in der Brühe, weshalb ich nur die Hälfte der Suppe in den Mixer gebe. Wer nicht auf „Bröckchen“ steht, der püriert sie einfach komplett. Besonders fein wird das natürlich im Mixer; wer den nicht hat, nimmt den Pürierstab.

Grünkernsuppe mit Markklößchen

Der Geschmack von Grünkern lässt sich schwer beschreiben. Es ist eine Mischung aus nussig und leicht rauchig; auf jeden Fall sehr würzig. Für die Suppe mische ich gerne Gemüse- und Rinderbrühe; letztere macht sie noch etwas kräftiger. Man kann aber auch Gemüsebrühe pur verwenden, am besten selbst gemachte – mit der gibt’s eine extra Portion Gemüsegeschmack dazu.

Grünkernsuppe an sich ist schon eine deftige Mahlzeit und kommt prima mit einer Scheibe dunklem Brot. Noch besser schmeckt sie mir mit hausgemachten Markklößchen; das Rezept dazu hab‘ ich ja auch schon geliefert. Die Klößchen sollte man in diesem Fall separat in etwas Gemüsebrühe garen. Ich habe festgestellt, dass sie in der Grünkernsuppe manchmal die Konsistenz verlieren und zerfallen. In klarer Brühe kann man viel besser beobachten, ob die Markklößchen durch sind oder nicht, denn dann schwimmen sie an der Oberfläche. In der dicken Grünkernsuppe tun sie sich etwas schwer mit dem Aufstieg.

Tipps und Tricks

Ein Teil des für die Suppe benötigten Grünkern wird über Nacht in Wasser gelegt, damit er aufquillt. Vorher sollte man ihn 2-3 Mal durchwaschen. Das Wasser, das nach dem Aufquellen übrig ist, wird weggeschüttet.

Die Suppe lässt sich prima vorbereiten und aufwärmen. Man sollte aber darauf achten, dass sie nicht kocht, sondern nur köchelt.

Ein besonderes „Add On“, aber kein Muss: Ein Ei mit etwas Sahne verrühren und dieses ganz zum Schluss langsam unter die Suppe rühren. Extra lecker!

Grünkernsuppe

Grünkernsuppe

Deftige, sämige Suppe – perfekt für nass-kalte Tage
Vorbereitungszeit15 Min.
Koch-/Backdauer35 Min.
Wartezeit (Einweichen)8 Stdn.
Gericht: Suppe, Suppen
Keyword: Grünkern, Grünkernsuppe
Portionen: 4 Portionen

Zutaten

  • 70 + 60 g Grünkern, Bio
  • 1 Zwiebel
  • 1 Kartoffel, mittelgroß (ca. 120g)
  • 2 EL Butterschmalz
  • 800 ml Gemüsebrühe (alternativ Gemüse- und Rinderbrühe, halb und halb)
  • 120 ml Sahne
  • 150 g Schmand
  • 1 Lorbeerblatt
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskat
  • frische oder getrocknete Kräuter, z.B. Petersilie, Majoran (für die Deko)

Sonstiges

  • Mixer oder Gewürzmühle (für den Grünkern)
  • Mixer oder Pürierstab (für die Suppe)

Anleitungen

  • Am Vortag 70 g Grünkern ein-zweimal in klarem Wasser waschen, abgießen, in eine Schale geben und mit frischem Wasser bedecken.
    Über Nacht (mindestens 8 Stunden) quellen lassen
  • Am Tag der Zubereitung weitere 60 g Grünkern trocken in einen Mixer oder eine Gewürzmühle geben und fein mahlen.
    Zwiebel schälen und grob würfeln.
    Kartoffel schälen, in kleine Würfel schneiden.
    Gequollenen Grünkern in ein Sieb geben und abtropfen lassen.
  • Falls frische Kräuter verwendet werden: diese kurz abspülen und fein hacken. Beiseite stellen.
  • Butterschmalz in einem ausreichend großen Topf auf höchster Stufe schmelzen.
    Zwiebelwürfel hinzu geben und andünsten, bis sie etwas Farbe bekommt.
    Den gemahlenen Grünkern dazu geben und unter Rühren eine Minute anrösten.
  • Die Hälfte der Gemüsebrühe angießen, aufkochen lassen; dann die restliche Gemüsebrühe dazu geben.
    Die Hitze so weit reduzieren, dass die Brühe nur noch leicht köchelt.
    Den gequollenen Grünkern, die Kartoffelwürfel und das Lorbeerblatt dazu geben.
    Deckel auflegen und alles 20 Minuten köcheln.
  • Das Lorbeerblatt nach Ende der Kochzeit entfernen.
    Die Hälfte der Suppe in einen Mixer geben und fein pürieren (alternativ in einem gesonderten Topf/Schüssel mit dem Pürierstab pürieren).
    Pürierte Suppe wieder zur restlichen Suppe geben.
    Wer keine Stückchen in der Suppe mag, der püriert sie komplett.
  • Hitze wieder etwas erhöhen.
    3-4 EL Sahne für die Deko zurückhalten.
    Die restliche Sahne und den Schmand unterrühren.
  • Suppe mit Salz, Pfeffer und Muskat (optional) abschmecken und vor dem Servieren mit der übrigen Sahne und den frischen oder getrockneten Kräutern bestreuen.

Notizen

Wer mag, der kann zusätzlich ein Ei mit 2 EL Sahne verquirlen und es am Ende der Zubereitung langsam unter die Suppe rühren.

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Rezept-Bewertung