Herd(s)Attacke

Öcher (Aachener) Poschweck

Traditionelles Ostergebäck aus Aachen: Öcher Poschweck
Enthält Werbung in Form von Blog-Verlinkungen

Alle Monate wieder … veranstalten Zorra vom Kochtopf und Sandra von From-Snuggs-Kitchen das Synchronbacken, an dem ich mich nun schon ein paar Mal beteiligt habe. In diesem Monat lag mir die Aktion ganz besonders am Herd(s)en, denn als Rezept hatten die beiden Food-Bloggerinnen Aachener (also Öcher) Poschweck herausgesucht. Die süßen Hefebrote sind ein traditionelles Ostergebäck mit einer langen, bewegten Geschichte.

Nun habe ich zu Aachen ein ganz besonders inniges Verhältnis, schließlich kommt die Herd(s)Kasper-Erzeugerin aus der Kaiserstadt. Doch es sind nicht nur familiäre Gründe, die mich mit „Aix-la-Chapelle“, wie sie auf französisch so schön heißt, verbinden. Es ist schlichtweg die schönste Stadt, die ich kenne. Wie Karl der Große, der sich hier häuslich niederließ, fühle ich mich dort einfach pudelwohl und könnte stundenlang durch die herrliche Innenstadt laufen und die irgendwie besondere Atmosphäre dort genießen. Ein Abstecher in den Dom und die dazu gehörige Schatzkammer sind ein Muss!

Traditionsreiches Ostergebäck aus Aachen: Öcher Poschweck.
Aachener Historie und Histörchen

Aachen ist einfach so unheimlich voll von Geschichte und Geschichten. Letztere kenne ich fast in- und auswendig, dank meiner Mutter und vor allem eines Onkels, der ein schier unerschöpflicher (und stetig sprudelnder) Quell‘ an Historie und Histörchen war. Dank ihnen weiß ich von der besonderen Beziehung der Öcher zum Düüvel (Teufel), warum sie ihm zwei Berge und den Dom verdanken und weshalb er (unfreiwillig) einen seiner Daumen an dessen Wolfstür hinterlassen hat.

Bevor ich jetzt endgültig ins Schwärmen gerate, verweise ich hiermit auf die einschlägigen Quellen im Internet. Dort sind diese und noch viele weitere Geschichten nachzulesen. Und somit geht’s zurück zum Synchronbacken.

Wie schon gesagt: dieses Mal standen Öcher Poschweck auf dem Programm. Das Hefegebäck wird schon seit dem späten Mittelalter am Ende der Fastenzeit serviert und kann von sich behaupten, für die eine oder andere Unruhe in Aachen gesorgt zu haben. Das Anti-Fasten-Gebäck wurde von den Aachener Bäckern an Ostern an gute Kunden verschenkt. Als diese dann irgendwann dafür zur Kasse gebeten werden sollten, weil den Bäckern die Aktion zu teuer wurde, gingen die Öcher auf die Barrikaden. Mit Erfolg – per Magistratsbeschluss mussten die Bäcker die Poschweck wieder kostenlos verteilen.

Öcher (Aachener) Poschweck
Ganzer Würfelzucker. Komplett. Am Stück.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Öcher Poschweck dann endgültig kostenpflichtig. Aber man kann sie ja auch einfach selbst backen. Das Rezept für die Poschweck ist nicht allzu kompliziert; es erfordert lediglich ein paar gute Zutaten und etwas Zeit. Ganz besonders erwähnenswert: der Würfelzucker. Ja, die Öcher Poschweck enthalten komplette Zuckerwürfel. Trotzdem schmecken sie nicht so furchtbar süß, wie man vielleicht meinen sollte. Und die „Zuckernester“ im fertigen Gebäck sind einfach der Knaller bei der ganzen Sache.

Ganz nebenbei: im Originalrezept für die Öcher Poschweck, die Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals erwähnt wurden, dürfte mit Sicherheit kein Würfelzucker vorgekommen sein. Denn dieser wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden.

Das Rezept, welches für das Synchronbacken ausgesucht wurde, kam von Plötzblog-Betreiber Lutz Geißler, der es wiederum von Stefanie von Hefe und mehr hatte. Die es wiederum von einem anderen Blog hatte. Der Poschweck macht also die Runde und spätestens nach dem vergangenen Synchronbacken ist das Internet um zahlreiche Varianten reicher. Zum Beispiel um meine, bei der ich mich weitestgehend an Lutz‘ Version gehalten habe. Es kommt etwas weniger Flüssigkeit in den Teig – es hatte sich herausgestellt, dass dieser nach den Originalangaben ziemlich klebrig war. Kommt sicher auch darauf an, wie „saugfähig“ das verwendete Mehl ist. Den weißen Zucker habe ich gegen Muscovado ausgetauscht, bei den Zuckerwürfeln habe die braune Variante verwendet.

Insgesamt schmecken die Poschweck weniger süß, als man zuerst vermuten sollte und die dunklen Zuckersorten geben ihnen eine feine Karamellnote.

Tja, und nach diesem Monster von Text kommt nun auch endlich das Rezept. In diesem Sinne: Leckere Ostern!

So lecker, dass sogar der Osterhase auf ein Stück vorbei schaut: Öcher Poschweck.

Öcher Poschweck

Ein traditionelles Osterrezept aus Aachen
Vorbereitungszeit30 Min.
Ruhezeit (ohne Vorteig)2 Stdn. 30 Min.
Zubereitungszeit gesamt50 Min.
Portionen: 3 Stück

Zutaten

Für den Vorteig (am Abend vor dem Backtag ansetzen!)

  • 210 g Weizenmehl 500
  • 145 g Wasser (30°C)
  • 3 g Hefe, frisch
  • 4 g Salz

Für den Hauptteig

  • 290 g Weizenmehl 550
  • 30 g Muscovado-Zucker
  • 5 g Salz
  • 1 Bio-Orange
  • 160 g Milch (Zimmertemperatur)
  • 8 g Hefe, frisch
  • 1 TL Vanillepaste
  • 150 g Butter, kalt
  • 150 g Rumrosinen
  • 130 g Mandeln, gehackt
  • 130 g Würfelzucker, braun
  • 1 Ei (zum Bestreichen)

Anleitungen

Der Vorteig

  • Am Tag vor dem Backen den Vorteig ansetzen. Dafür die Hefe im warmen Wasser auflösen; Mehl und Salz in einen ausreichend großen, verschließbaren Behälter geben.
    Hefewasser hinzufügen und mit einer Gabel alle Zutaten locker verrühren. Den Deckel auflegen (nicht fest verschließen!), den Vorteig eine Stunde starten lassen und dann im Kühlschrank über Nacht (mindestens 24, maximal 48 Stunden) gehen lassen.

Der Hauptteig

  • Die Bio-Orange gründlich waschen; die Schale abreiben und die Orange auspressen. 20 ml Saft abmessen.
    Die Hefe in der zimmerwarmen Milch auflösen.
  • Mehl, Zucker und Salz in einer Rührschüssel mischen. Orangenabrieb hinzu geben.
    Vorteig, 20 ml Orangensaft, Hefemilch und die Vanillepaste hinzu geben und alles 5 Minuten auf niedrigster Stufen, dann nochmal 6-7 Minuten auf nächst höherer Stufe zu einem geschmeidigen Teig kneten.
  • In der Zwischenzeit die kalte Butter in dünne Scheiben schneiden.
    Sobald der Teig straff ist und sich vom Schüsselrand löst, die Butterscheiben nach und nach hinzugeben und vollständig in den Teig einarbeiten (dauert gut 7-8 Minuten). Es sollten keine Butternester mehr zu sehen sein, ggf. etwas länger kneten.
  • Die Rumrosinen und die gehackten Mandeln auf niedrigster Stufe in den Teig einarbeiten. Zum Schluss den Würfelzucker von Hand unter den Teig mischen.
    Teig abdecken und bei Zimmertemperatur 60 Minuten ruhen lassen.
  • Den Teig nach der ersten Ruhezeit auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und in drei gleich große Stücke teilen.
    Die Teiglinge erst zu Kugeln formen, dann in eine etwas längliche, brotähnliche Form bringen.
    Die Teiglinge mit einem Tuch abdecken und nochmals 90 Minuten ruhen lassen.
  • Den Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
  • Das Ei verquirlen.
    Die Teiglinge nach Ende der Ruhezeit auf das vorbereitete Backblech geben, mit einem scharfen Messer dreimal längs einschneiden und mit dem Ei bepinseln.
  • Blech mittig in den Backofen schieben und die Poschweck 30-35 Minuten backen. Sollten sie zu dunkel werden, die Hitze auf 170°C reduzieren.
  • Die fertigen Poschweck auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.
  • Die Poschweck halten sich in einem luftdichten Behälter aufbewahrt 3-4 Tage.

Notizen

Wer keine Rosinen mag, kann für die Poschweck auch andere Früchte verwenden. Bitte daran denken, diese für gut 24 Stunden in Flüssigkeit einzulegen!

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort