Königlich-kasperlicher Genuss: Victoria Sandwich Cake

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Tja, und ich selbst feiere ebenfalls am kommenden Wochenende Geburtstag. Ok, ich werd‘ jetzt keine fünfzehn mehr – Kuchen gibt’s aber trotzdem. Oder erst recht. Und zwar einen überaus königlichen! Grund ist besagter Kochtopf-Geburtstag. Denn zusammen mit Kenwood Deutschland hat Zorra zum Blog-Event „Gebäck zum Afternoon Tea“ eingeladen. Und den lasse ich mir natürlich nicht entgehen, auch wenn ich gar keinen Tee trinke. Auf der königlichen … nein … kasperlichen Tafel wird aus diesem Anlass ein Victoria Sandwich Cake serviert!

Königlicher Afternoon Tea mit Victoria Sandwich Cake.
Zuerst einmal eine Warnung

Bevor ihr euch über diesen wirklich köstlichen Kuchen hermacht, eine Warnung: Der Victoria Sandwich Cake – auch Victoria Sponge Cake genannt – hat es in sich! Schon beim Durchlesen der Zutaten könnte es sein, dass ihr ein klein wenig zunehmt. Im „Sponge“ – also dem Biskuitboden – befindet sich nicht nur ein ganzes Pfund Butter, sondern auch die gleiche Menge an Puderzucker. Den fertig zusammengerührten Teig bitte nicht probieren – ihr könnt nicht mehr aufhören. Rührschüssel- und Haken abschlecken, wenn der Sandwich Cake im Ofen backt, ist aber erlaubt.

Die Füllung besteht aus einer großzügigen Portion Crème double, einer überaus fetthaltige, cremige Sahne – 40-50% können das schonmal sein. Bitte nicht verwechseln mit Crème fraîche. Die Konsistenz ist zwar gleich, allerdings ist Crème double aus Süßrahm und Crème fraîche aus Sauerrahm.

Bei so viel Süßkram benötigt man natürlich einen Ausgleich, damit die Kaffee- bzw. Teerunde nicht mit einem Zuckerschock vom Stuhl fällt. Das aromatische Gegengewicht kommt in Form von Himbeeren-Konfitüre sowie vielen frischen Himbeeren.

Wie gesagt: der Victoria Sandwich Cake ist ein echter Pfundskerl. Aber man hat nur einmal im Jahr Geburtstag. Deshalb schieben wir jetzt die Waage mit grazil abgespreiztem kleinen Zeh ganz nach hinten unters Bett, zu den Staubmäusen. Und holen sie für die nächsten Tage auch nicht mehr heraus.

Victoria Sandwich Cake mit einer Füllung aus Crème double, Himbeerkonfitüre und frischen Himbeeren.
Histörchen

Der Victoria Sandwich Cake soll ja einer der Lieblingskuchen der gleichnamigen Königin von England gewesen sein. Und ich kann sie echt verstehen. Der Biskuitteig ist sowas von wattig, saftig und fein – er alleine würde eigentlich schon ausreichen. Einfach zum Kaffee dazu (Thank you, but no tea for me). Königliche Anekdote am Rande: Queen Victoria ist nicht nur die Ururgroßmutter von Queen Elisabeth (bei uns ganz liebevoll Themse-Ellie genannt), sondern auch die Ururgroßmutter ihres Gemahlen, Prinz Philip. Tja, der Adel blieb früher halt gerne unter sich.

Der britische „Afternoon Tea“ ist natürlich legendär. Schon als Grundschüler bekommt man ihn sozusagen mit dem ersten Englisch-Buch serviert. Viel amüsanter ist die ganze Sache allerdings in „Asterix bei den Briten“. Da wundert es einen auch nicht, dass unsere Nachbarn auf der Insel eifrig darüber diskutieren, ob man zuerst die Milch und dann den Tee in die Tasse gießt oder umgekehrt. Shocking.

Auch das Rezept für den Victoria Sandwich Cake sorgt in Großbritannien für heiße Diskussionen. Natürlich gibt es mittlerweile kalorienärmere und „gesunde“ Varianten. Ich habe mich weitestgehend an ein Rezept gehalten, das ich im „Guardian“ gefunden habe. Der darin verwendeten Buttercreme für die Füllung habe ich allerdings eine höfliche Absage erteilt – irgendwann ist auch mal gut.

Süße Sünde: Victoria Sandwich Cake.
Noch ein paar Tipps

Crème double ist nicht überall so einfach zu bekommen. Wer keine findet, der kann Mascarpone und Schlagsahne miteinander verrühren, bis sie in etwa die Konsistenz von Crème fraîche (oder eben Crème double) haben.

Traditionell werden die beiden Biskuitböden für Sandwich Cake in zwei kleinen, flachen Pfännchen – so genannten „Tins“ – gebacken. Die gibt’s bei uns nicht so einfach zu kaufen und den Onlineversand wollte ich wegen den zwei Förmchen nicht bemühen. Eine Springform mit 20 cm Durchmesser geht genauso gut; darin können die beiden Böden nacheinander gebacken werden. Wer zwei Formen dieser Größe hat, packt die Böden gleichzeitig in den Backofen.

Den kompletten Teig in die 20er Form geben, backen und dann teilen funktioniert übrigens nicht! Die spezielle Konsistenz sorgt dafür, dass er außen dunkel und trocken wird, innen aber noch nicht durch ist.

Bei der Gelegenheit habe ich mal wieder festgestellt, dass die Höhe der Form eine entscheidende Rolle spielt. Eine meiner 20er Springformen ist 10 cm hoch; die andere knapp 18 cm. Der Boden in der niedrigen Form war nach 25 Minuten fertig; der in der hohen Form hat 35 Minuten benötigt. Ihr solltet also unbedingt die Holzstäbchenprobe machen! Sollte der Biskuit obendrauf zu dunkel werden, deckt ihn mit Backpapier ab.

Das komplette Buffet steht bereit!

Eine Unmenge von Rezepten für den Afternoon Tea wurden zu Zorras Blog-Geburtstag eingesandt. Wer auf der Suche nach kleine, feinen Leckereien ist, sollte unbedingt auf der Afternoon-Tea-Event-Seite vorbeischauen. In der Übersicht finden sich nicht nur süße Sünden, sondern auch Herzhaftes. Da ist bestimmt für jeden etwas dabei!


3.67 von 3 Bewertungen

Victoria Sandwich Cake mit Himbeeren

Sehr (!) süße Sünde, nicht nur für den Afternoon Tea.
Portionen 8 Stücke
Vorbereitungszeit 40 Min.
Zubereitungszeit 20 Min.
Arbeitszeit 1 Std.

Equipment

  • Eine oder zwei 20er-Springformen (Innendurchmesser ca. 18 cm)

Zutaten

Für den Biskuitteig

  • 250 g Butter, weich
  • 250 g Puderzucker
  • 250 g Weizenmehl, Typ 405
  • 2 TL Backpulver
  • 1/2 TL Salz
  • 4 Stück Eier (M)
  • 2-3 EL Milch

Für die Füllung

  • 1 Glas Himbeerkonfitüre (ca. 200 g)
  • 250 g Creme double
  • 30 g Puderzucker, gesiebt
  • 2 TL Vanillepaste
  • 250 g Himbeeren, frisch

Sonstiges

  • etwas Butter und Weichweizengrieß zum Einfetten der Backform(en)
  • Puderzucker für die Deko (optional)

Anleitungen

  • Eine (oder zwei) Springformen (20 cm ø) mit etwas Butter einfetten und mit Weichweizengrieß ausstreuen (siehe auch Rezepthinweis!).
    Den Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
  • Weiche Butter und Puderzucker in eine Rührschüssel geben. Mit der Küchenmaschine auf mittlerer Stufe so lange verrühren, bis eine gleichmäßige, cremige Masse entstanden ist.
  • Mehl, Backpulver und Salz in einer Schüssel miteinander vermischen.
  • Jetzt im Wechsel ein Ei und etwas von der Mehlmischung zum Teig geben und alles miteinander verrühren, bis die Creme wieder gleichmäßig ist.
    Dann erneut ein Ei und etwas von der Mehlmischung unterrühren. So verfahren, bis alle Eier und das Mehl verarbeitet sind.
  • Ihr solltet nun eine ganz gleichmäßige, cremige Masse haben; von der Konsistenz fast wie Buttercreme. Sollte die Masse noch zu zäh sein, 2-3 EL Milch unterrühren.
  • Wenn ihr zwei Springformen habt: den Teig einigermaßen gleichmäßig auf beide Formen verteilen und diese mittig in den vorgeheizten Backofen schieben.
    Wenn ihr nur eine Springform habt: Teigmenge halbieren und die Böden nacheinander backen.
    Achtung: Den kompletten Teig in einer Form backen und dann teilen funktioniert nicht (siehe Rezepthinweis)!
  • Die Böden 25-35 Minuten backen.
    Je nach Backofen/Hersteller kann die Backzeit stark variieren – unbedingt den Holzstäbchentest machen! Sollte der Boden noch nicht durch sein, obenauf aber zu dunkel werden: die Backform mit Backpapier abdecken.
  • Die fertigen Böden zuerst in der Form etwas abkühlen lassen. Nach 15 Minuten die Form entfernen und die Böden auf einem Kuchengitter ganz abkühlen lassen.
  • In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten. Dafür Creme double, Vanillepaste und den gesiebten Puderzucker mit dem Schneebesen der Küchenmaschine kräftig aufschlagen und bis zur weiteren Verwendung kühl stellen.
    Die Himbeeren kurz mit Wasser abbrausen, in eine Sieb geben und gut abtropfen lassen.
  • Den höheren der beiden Böden auf eine Tortenplatte setzen; die Oberseite großzügig mit Himbeerkonfitüre bestreichen.
    Die gekühlte Cremefüllung in einen Spritzbeutel füllen und in Tuffs oder Kreisen auf die Himbeerkonfitüre spritzen.
    Die abgetropften Himbeeren auf der Creme verteilen.
    Den zweiten Boden mit der glatten Seite nach unten auf die Füllung setzen und leicht andrücken.
  • Der Kuchen kann direkt serviert werden, besser ist es aber, ihn nochmal 1-2 Stunden kühl zu stellen, damit die Creme ein wenig fester werden kann.
    Kuchen vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben (optional).
  • Der Kuchen schmeckt am ersten Tag am allerbesten. Er kann 1-2 Tage im Kühlschrank aufgehoben werden, wird dann aber etwas kompakter. Er sollte in dem Fall unbedingt eine Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank genommen werden.

Notizen

Der Kuchen ist, wie in England üblich, ziemlich süß. Wer es nicht ganz so heftig mag, kann die Zuckermenge um die Hälfte reduzieren.
ACHTUNG: Wer nur eine 20er Springform hat, muss die beiden Biskuitböden auf zwei Male backen! Den kompletten Teig in einer Form zu backen und dann zu teilen, wie bei normalem Biskuit, funktioniert in diesem Fall nicht! Der Teig würde außen zu dunkel und innen noch komplett weich sein.
Gericht: Dessert, Kuchen
Keyword: Himbeeren, Kuchen

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  1. 5 stars
    Hallo Petra,
    Dieser herrliche Kuchen lässt mich nicht mehr los! Nachdem ich ihn das erste Mal in einem kleinen Café in Yorkshire zum Afternoon Tea probiert habe, kann ich ihn Dank dir auch perfekt nachbacken!
    Seit November habe ich ihn nun gerade zum dritten Mal im Ofen! Inzwischen habe ich mir auch die 20cm Backformen besorgt, um noch originaler zu werden!
    Das Rezept ist klasse, die Zuckermenge des Teiges reduziere aber auch ich. Mir reichen da 175 g. Aber das kann ja individuell angepasst werden.
    Die 200 g Konfitüre braucht es schon, sonst verliert sich die Fruchtkomponente zwischen den leckeren Biskuitböden. Von klatschen sollte bei so königlichen Gebäck doch nicht gesprochen werden.
    Aufgrund der Jahreszeit konnte ich leider noch nicht mit frischen Früchten ergänzen aber das wird noch, sobald der heimische Markt wieder was hergibt!
    Thank you for this very british pleasure😊
    Grüße und eine schöne Weihnachtszeit, Wiebke

    1. Hallo Wiebke!

      Oh, das freut mich – vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Schön, dass du ein Fan „meines“ Sponge Cake bist. Und ja, das mit dem Zucker ist so eine Sache – die einen mögen es halt süß, die anderen weniger. Aber in England ist man halt ein Fan von „zuckersüß“, wie du schon selbst erfahren hast.
      Bei dem „auf den Boden klatschen“ bin ich bei dir – ich würde die Konfitüre eher verstreichen. Gibt weniger Sauerei und sieht auch schöner aus. ;-)
      Viel Spaß weiterhin beim Backen und auch dir eine leckere, entspannte Weihnachtszeit!

      Herd(s)liche Grüße
      Petra

  2. 3 stars
    Super Rezept, leider ist von der Menge der Angaben der Teig viel zu süß geworden.
    Anstatt 250g Puderzucker reicht auch 100g und das ganze Glas Marmelade raufzuklatschen ist auch zu viel.

    1. Hallo Sofia!

      Tut mir leid, dass euch der Kuchen zu süß war. Aber einen englischen Sponge Cake zu backen, wenn man es nicht so süß mag, ist ungefähr so, wie wenn man sich Hähnchen Szechuan bestellt, wenn man nicht gerne scharf isst. Trotzdem werde ich deinen Hinweis im Rezept aufnehmen, damit andere gewarnt sind.
      Wegen der Konfitüre: es ist ja nur ein kleines Glas; das finde ich persönlich für einen Tortenboden nicht allzu viel. Aber auch da hat jeder so seine eigenen Vorstellung von „viel“. Trotzdem vielen Dank für deine Rückmeldung!

      Herd(s)liche Grüße
      Petra

  3. Verspätet aber von Herzen auch dir alles Gute zum Geburstag! Danke für diese königliche Köstlichkeit und für den erheiternden Text. Die Staubmäuse kenne ich auch. ;-)

    1. Hi Zorra!

      Ganz herd(s)lichen Dank – und ich freu‘ mich, dass ich dabei sein konnte. Deine Events machen mir immer eine Riesenfreude.

      Viele Grüße (auch an die Staubmäuse ;-)
      Petra

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